Monduntergang – 41 Grad tagsüber, nachts Abkühlung auf 31 Grad

Lauter Kinder! Lauter laute Kinder! Lauter laute Kinder sind heute im Geschreibad.

Es scheint, als ginge eine gesamte Kindheit baden.

Es scheint?

Mir scheint?

Scheint mir?

Es scheint mir!

Es scheint mir vor allem die Sonne auf mein Hirn, so dass ich den Faden verliere und gar nicht mehr weiß, wie der Satz angefangen… sollen werden hat (?).

Sonne…Geschrei…, …boah!

„Halt´ s Maul!“ brülle ich die Sonne an und: „Mach doch mal einer das Licht aus!“ während der Meister des Bades mich von der Wiese pflückt und zu meinem Auto bringt. Auf dem bleibe ich so lange mit heißem Hintern sitzen, bis die kreischenden Kinderräder der goldenen Abendsonne entgegeneiern. Geräuschlos versinkt sie, kleine orangefarbene Wolkenstreifen hinter sich her ziehend.

Ooohhh! Es zischt nur leise, als ich zurück ins Wasser gleite.

Mhmm! Die stille Oberfläche trägt mich sanft und kühl.

Aaahhhhh, wie gut! Stille, Kühle und Finsternis!

Und ich leuchte wie eine Tomate in einer ewig dauernden Dämmerung.

Wieder scheint mir etwas. Es scheint sonderbar, denn scheinbar scheint da was. Mir scheint jedenfalls, als scheine ich hier nicht alleine. Es scheint, als wolle die Dunkelheit einfach nicht so recht über mich hereinbrechen. Etwas scheint da doch noch!

Doch was?

Auf dem Rücken dahin treibend, sehe ich hinter den Baumwipfeln den Mond.

Vollmond.

Spitzbübisch grinst er über die Tannen. Zwinkert mir zu, als wolle er sagen: „Na, Kollege?“

Ich zwinkere auch und grinse zurück, muss lachen und verschlucke jede Menge Schwimmbadwasser. Ich gluckse und pruste, lache und huste. Ich rudere heftig mit Armen und Beinen, gehe immer wieder unter, tauche auf, schnappe nach Luft und lache weiter.

Glucks! Prust! Lach! Hust!

Und der Mond kann sich jetzt auch kaum noch halten. Er bläst die Backen auf, bis fast zum Platzen. Dann wackelt er hin und her und hoch und runter. Hin und Her und Hoch und runter, wackelt der und läuft leicht rot an dabei.

Rot, wie vermutlich nun meine Augen, denke ich benommen, die leicht brennend und verschwommen zu ihm hinaufschauen.

Und: —ich höre ihn ja gar nicht. Aber das dauert wohl. Schall braucht ja viel länger als das Licht, beruhige ich mich und lausche auf die Ankunft seines Lachens.

Es ist – komischer Weise – leise. Kein lautes, lärmendes, krachendes Lachen. Ist ein weises, leises Kichern. Ein lang anhaltendes leiseres heiseres Kichern, das zuweilen etwas unterdrückt klingt und das zu Rasseln beginnt, als ob es gleich in einen Hustenanfall enden möchte und dann doch wieder in ein spitzes Kichern mündet, wie nur Kolosse kichern können.

Wir kichern in die Stille herein. Der Mond und ich. Die ganze Nacht hindurch, bis zu unser beider Untergang.

© Reimund Vers

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Veröffentlicht von

Reimund Vers

Dichter, Denker und Geschichtenverschenker

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