Unwichtiges mit Bedeutung aufladen

Jahresrückblicke mit Chart sind wie Zimtsterne. Jahreszeitlich unaufhaltsam und überflüssig.

Nur ein wenig mehr

höre!

nur ein wenig mehr als Du redest,

staune!

nur ein wenig mehr als Du bewertest,

wage!

nur ein wenig mehr als Du fürchtest,

mache!

nur ein wenig mehr als Du guckst,

lächle!

nur ein wenig mehr als Du stutzt,

würdige!

nur ein wenig mehr als Du beklagst,

gib!

nur ein wenig mehr als Du bekommst,

erschaffe!

nur ein wenig mehr als Du konsumierst,

tanze!

nur ein wenig mehr als Du Dich sorgst

und Du lebst in der Liebe!

© Reimund Vers

Als Gottes Zorn verschwand

Der Mensch aber befand es nicht länger als ausreichend, sein Leben nach Sonne, Mond und Jahreszeiten auszurichten. Für ein rechtes, gottgefälliges Dasein ersann er also Monate, Wochentage und Uhrzeiten. Für einen jeden Monat, Tag und für jede Stunde erdachte er eine Anzahl heiliger Regeln, an die er sich streng halten wollte.

Und Gott sah, dass die Freude auf Erden zu kurz kommen würde. Und in seiner unermesslichen Liebe zum Menschen erschuf er für ihn die Vergesslichkeit.

Der Mensch aber fürchtete Gottes Zorn ob seiner Unzuverlässigkeit, die heiligen Regeln einzuhalten. Da ernannte er einen Priester und beauftragte diesen, ihn an die Einhaltung der heiligen Regeln zu erinnern. Der Priester bat um ein besonderes Gewand und ein Glöckchen, damit jeder ihn erkannte und er sich Gehör verschaffen konnte. So schlug er Jahr ein, Jahr aus, dem Menschen die Stunde und erinnerte ihn stetig an die Einhaltung der heiligen Regeln. Zu Ehren Gottes.

Und Gott sah wenig Freude auf Erden. Und in seiner unvergleichlichen Güte erschuf Gott für den Menschen den Humor.

Der Mensch aber schämte sich für sein Lachen und der Priester kam sich reichlich komisch vor. Er erinnerte den Menschen an den drohenden Zorn Gottes. Er forderte ein Haus mit großer Glocke und Macht, um der Einhaltung der heiligen Regeln ernsthaft und ordentlich dienen zu können. Daher erfand der Mensch die Strafe und gab dem Priester Haus, Glocke und Macht, um sie auszuüben. So wachte der Priester über das Verhalten des Menschen, ermahnte ihn und bestrafte seine Verfehlungen.

Und Gott erkannte den Ernst der Lage auf Erden. Und in seiner grenzenlosen Geduld erschuf er für den Menschen den Ungehorsam, den Spott und die Satire.

Der Mensch aber erschrak ob seiner eigenen Frechheit und der Priester war bleich vor Wut. Nun fürchtete der Mensch erst recht Gottes Zorn und vielmehr noch den des Priesters. Er vergrößerte sein Haus und fügte einen Turm mit einer Anzahl größerer Glocken hinzu. Der Priester aber erfand seine Unfehlbarkeit, erklärte sich zum Stellvertreter und erzwang von nun an mit Gewalt die Einhaltung der heiligen Regeln. So, dass der Mensch glauben sollte, dies sei der Zorn Gottes.

Und da lacht Gott. Und in seiner unendlichen Weisheit erschuf er für den Menschen unzählige schlechte Witze und Comedians und ergoss sie über die Erde.

Gutmütig ließ er den Blick ein letztes Mal über seine Schöpfung schweifen, seufzte versonnen, wandte sich ab und ging fort für eine Ewigkeit.

Fortan brauchte der gottlose Mensch Gottes Zorn nicht mehr zu fürchten. Doch irgendwie fand er das alles gar nicht lustig.

© Reimund Vers

Titelbild: https://pixabay.com/de/users/Exau_plk-8489955/

Der Stamm – The Trunk

Ständig Wasser und Licht
in Weisheit und Wachstum verwandelnd,
strebe ich kraftvoll ihren Quellen entgegen.
So diene ich treu dem Himmel und der Erde.
Immer höher kommend,
immer tiefer gehend.

Constantly transforming water and light into wisdom and growth,
I powerfully aspire to their sources.
So I serve faithfully to heaven and earth.
Getting higher and higher,
going deeper and deeper.

Bald sichtbare Orientierung.
Bald Stütze und Schutz
Unter baumstarken Ästen, weitverzweigten Zweigen und
unzähligen Blättern liegt ein schattiges, trockenes Plätzchen.

Soon visible orientation.
Soon rest and protection.
Under tree-thick, widely branched branches
with countless leaves lies a shady, dry small space

Angenehm angelehnt, spürst Du
wie ich mich sanft im Sturm des Lebens wiege.
Manchmal erzähle ich Dir Geschichten oder uralte Märchen.
Dann spiele ich wieder mit den Sonnenstrahlen, Regentropfen
und mit den Winden, oder verschenke einfach meine süßesten Früchte.

Leaning on pleasantly, you´ll feel
me gently swaying in the storm of life.
Sometimes I tell you stories and ancient fairy tales.
Then again, I play coy with the sun’s rays, the rain drops
and the winds or simply given away the sweetest fruits.

In der Nacht raschele ich alle in den Schlaf
und kitzele am Morgen jene wach,
die noch nicht mit den Vögeln singen.

At night I’ll rustle
all to sleep and tickle in the morning
those who are not yet singing with the birds.

stamm-siegel-06

Der Weinberg des Grauens

Trailer zum Theaterstück

Fantasyparodie und völlig durchgeknallte Degustation

Was im Weinkeller dieses Schlosses vor sich geht, finden die Geister seiner Umgebung ausgesprochen unterhaltsam. Deshalb finden sie sich regelmäßig ein und als unsichtbares Publikum klopfen sie sich vor Vergnügen auf die Schenkel.

Nicht nur Fantasyfans kommen hier auf Ihre Kosten, sondern auch der gewöhnliche Gruselwillige und vor allen: Weinliebhaber. Also, die meisten von ihnen jedenfalls… Aber auch Weinhasser.

Wie auch immer.

Das Schenkelklopfen von Gespenstern ist bekannterweise für Lebende nicht wahrnehmbar. Also, für normale Lebende jedenfalls… Ja, selbst Zauberer können Geister weder sehen noch hören! Das ist ein Naturgesetz. Und ein bis zwei Naturgesetze gelten nun mal selbst für Zauberer. Also, für die meisten von ihnen jedenfalls… Ausnahmen bestätigen ja bekanntlich die Regeln. Professor Doktor Doktor Igedius T. Eißweyn jedenfalls, ist ganz bestimmt ein besonderes Exemplar seiner Zunft und für so manche Überraschung gut…

#weinbergdesgrauens

Trailer

Klopf, Klopf! Was ist? Machst Du nicht auf?

Klopf, klopf!

Was ist? Machst Du nicht auf?

Klopf, klopf!

Oh je!
Es ist wieder mal Dein Leben.
Steht wie ein kleines Kind an der Tür.
Versucht ein weiteres Mal, Dich abzuholen.
Was nun?

Still! Ja, still!
Jetzt lieber nicht bewegen!
Weht nicht einmal ein leiser Wind in Dir?
Verfluchst Du Dich? Ein weiteres Mal, verstohlen?
Was wirst Du tun?

Klopf, klopf!

Öffnest Du, gehst über die Schwelle hinaus?
Du bist nicht mehr sicher, wohin es Dich führt.
Vielleicht geht es Dir ein wenig zu weit!
Dein Leben, Dein eigenes Leben!

Möglich ist, dass Du Dir selber vertraust.
Es hat Dich ja bisher und hier hergeführt.
Ein leichter Spaziergang, ein Weg nur zu zweit,
kein Streben, kein Bleiben, kein Kleben.

Klopf, klopf!

Jetzt, bloß nicht husten, bloß nicht niesen!
Da ruft es nach Dir, Dein kleines Leben:

„Ein kleiner Rundgang! Nur wir zwei! Ganz fest versprochen!
Nur einmal kurz umsehen, im Hellen, im Glück!
Ist angst und ist bang´ Dir, wird gleich abgebrochen.
und ich bring Dich auf der Stelle zurück,

dorthin, wo Du jetzt auch stehst
und Du kannst wieder schließen!“

Klopf, klopf!

Was ist? Machst Du nicht auf?

© Reimund Vers

Dramaturgie einer Beziehung

Du wolltest mich,
ja, ja, das wolltest Du!

Beziehungsweise,

ich wollte Dich,
ja, ja das wollte ich, Du!

Beziehungsweise,

dein wundervolles Ich
wollte mein wundervolles Ich.

Beziehungsweise,

mein wundervolles Ich
wollte dein wundervolles Ich.

Ei, dann trafen sich
zwei ganz andere ich!
Ein ich,
das sich für Dich hält,
und eins,
das sich für mich hält.

Sie stritten sich, die anderen Ich,
beziehungsweise Egos.
Sie stritten sich ganz fürchterlich,
bewarfen sich mit Legos.
Darüber, was ja gar nicht geht.
Wie´s offensichtlich besser wär.
Wer augenblicklich nichts versteht,
Wer wann in wessen Suppe spuckt.
Wer dümmer wär,
wer schlauer guckt.
Wo wäre man,
wo käm´ man hin,
wenn keiner mehr zur Suppe ging?
Was wäre, wenn es anders wär?

So stritten sie von früh bis spät,
ob gar nichts muss, ob alles geht
und fanden gar keine Ende mehr.

Und eigentlich haben, wolltest Du mich,
beziehungsweise
und eigentlich haben, wollte ich Dich.

Doch unsere Egos, die sahen nur sich
beziehungsweise
was sie für sich gehalten haben.

Und was wir zum Schluss bekamen,
waren haufenweise Stuss und Dramen.

© Reimund Vers