Kretische Katzen

Auf Kreta,
schau zu,
da sitzen die Katzen auf Mauern...

...Hafenmauern,
siehst Du,
die die Boote beschützen
vor der See, 
der mal dunklen, mal hellen,
und manches Mal rauen
doch meist hellblauen,
zuweilen hellgrünen, 
oder türkisen,
oder grün-blauen
mit weißen Tupfen
auf funkelnden Wellen...

Fischerboote,
weißt Du,
so weiße und blaue
und auch die weiß-blauen,
die die Fischer besitzen...

Männer,
sieh zu,
die die Netze verstauen,
mit ledernen Händen,
zerfurchten Gesichtern
und Augen, die blitzen,
die die Boote nun wenden 
und in die Dämmerung fahren.

Auf Kreta,
hörst Du,
da nisten die Schwalben
und es fliegen die Spatzen...

...ja, ja, die Schwalben auch.
Sind ja die wahren Akrobaten
am azurblauen Himmel, da
sieht man gut der Schwalbe 
weißen Bauch
und die Spatzen, die streiten
sich toll im Gewimmel
und machen auch von allen
die meisten Geräusche...

...im Hafen,
der voll ist
von Kisten und Kästen
von Seilen und Tauen
von Netzen und Katzen,
die da sitzen und lauern...

auf die Fischerboote,
verstehst Du,
die schwer beladen
mit heutigem Fang
die Mauern umrunden
im Sonnenaufgang
und freudig begrüßt werden
von räudigen Hunden...

...Fischerhunde,
weißt Du,
die die Katzen so hassen,
die die Fischer früh morgens
im Hafen gelassen,
die die Kisten bewachen
für den kommenden Fang,
die sich sorgen und winseln
und schließlich und dann
sich bei der Rückkehr der 
Fischer vor Freude bepinkeln,
und
die die Katzen nicht
an den Fang heran lassen,
weshalb die Katzen die
Hunde der Fischer so hassen
und
die Spatzen
die die Katzen
ganz rüde umfliegen,
welche davon vom Kopf
bis zum Schwanz hin ermatten
und nach gerade 
gestiegener Sonne
ganz müde im Schatten
´rumliegen,
während die Hunde der Fischer, 
die den Fang grad verkaufen, 
gediegen mit Wonne
vom Raufen verschnaufen.

Auf Kreta,
gib acht,
da schlafen die Spatzen,
die die Katzen im Übrigen 
für Erzfeinde halten,
in den Ritzen und Spalten
der weißen Wände und Mauern.

Der Tag geht zu Ende und
im Licht von den Sternen
da sieht man sie lauern...

...die Katzen von Kreta,
Du hast Dir´s gedacht,
die nächtens erwachen
und sich auf ihren Weg
zu den Tavernen machen...,

wo die Fischer,
siehst Du,
nun trinken, essen und lachen,
bei Mysthos und Raki
singt der Koch
noch lustige Lieder...

Da siehst Du sie wieder,
die Katzen von Kreta...
...unter jedem Tisch ist
eine alleine.
Sie streift Deine Beine
und kauert und lauert...

...und bekommt schließlich
doch von dem Fisch 
noch das Beste:
den Kopf und die Gräten
und von Allem die Reste.

Auf Kreta,
komm schauen,
da kauern die Katzen
unter den Tischen
und kauen,
und kauen...

© Reimund Vers

Kuhlinarischer Appell

Cash-Cow-Beraterin, Kamilla Kühn, über den richtigen Umgang mit dem Tierwohl-Label und einem entschlossenen Appell zur anstehenden Planung der Festtagsmahlzeiten. Eine Gefahr, sich in dieser Frage ständig zu wiederholen, könne sie nicht erkennen. Als Ernährungscoach sei das Wiederkäuen ja quasi eine berufliche Passion. Das erklärte die Expertin in ihrer Pressekonferenz am vergangenen Donnerstag, bevor sie den folgenden Appell verlas:

Mein lieber Mensch,
es ist nicht so, dass sich dran misst,
dass Du so bist, wie was Du isst.

Nimm´ nur die Kuh – ein Rind wie ich und Du:

  • Vom Steak wirst Du nicht stark wie sie,
  • von Leber, Nieren, Mark auch nie.
  • Glaub´nicht, dass Du mal klüger scheißt, nur weil Du Rinderhirn verspeist.

Du Mensch, du bist doch Allesfresser.
Bei Dir kommt alles unter´s Messer,
was bei Drei nicht auf dem Baum ist.

Mensch, lass doch mal die Kühe leben!
Kannst Du Dir einmal Mühe geben?
Iss was, das Du sonst kaum isst!
Das kannst Du doch mal tun.

Iss Huhn!

Wenn Du dem frönen musst, dann tu ´s
Ich sende Dir ´nen schönen Gruß
und will endlich meine Ruh´

Deine Kuh

© Reimund Vers

Heute: Geknicktes mit Beilagensalat

(Innere Dialog 12.698)

Da!

Schnell!

Ein Gericht!

Es will das Licht der Welt erblicken.

 

Doch da kein Papier

noch welches hier

und kein Stift weit

und breit!

 

Ohje! Das Gericht kannste knicken!

 

Was hast Du schon alles gekocht?

Was ist Dir davon noch geblieben?

Was hätte es Dir denn gebracht,

hättest Du es dann doch aufgeschrieben?

 

Und Du hast gedacht, Du tät´ st richtig ticken?

Und hier mein Verdacht: Das Gericht kannste knicken!

© Reimund Vers