bilden Sie mal einen Satz mit: autogenes Training

Gernhardtsche Übung für angehende Dichter:

Bilden Sie mal einen Satz mit…   heute: autogenes Training

„Das Training mit den Autogenen
ist schon ganz schön schlau von denen.
Man braucht dazu – das wusst´ ich nie –
sowas wie Gähntechnologie!“

© Reimund Vers

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Was Dein Posting über Dich verrät

Deine Postings verraten es,

Du bist der absolute Überflieger. Du überfliegst die Timeline des Tages und findest zielsicher die richtigen Beiträge, um sie in Deiner Chronik zu teilen. Du bist sicher eine Person, die aus der Masse der anderen 003heraussticht. Dieser Ehrgeiz und dieser – nur Dir eigene – unfassbare, messerscharfe Intellekt schaffen eine ganz ganz herausragende Aura und machen Dich zum echten Hingucker. Und dass Du jetzt auch noch diesen Intelligenztest bestanden hast! Respekt! Alle Achtung! Mein lieber Schwan! Junge, Junge! Donnerwetter! Lecko mio! Mein lieber Scholli! Potztausend! Nicht schlecht, Herr Specht! Kannste mal sehen! Mein lieber Herr Gesangsverein! Da brat mir aber einer einen Storch! Alter Verwalter! Ja, leck mich doch am Arsch! Wer hätte das gedacht!

© Reimund Vers

Lexikon der Synonyme

(Innerer Dialog 7.521)

Du?

Hm?

Du, sag mal, was sind eigentlich Synonyme?

Sinnverwandte Wörter, steht im Lexikon.

Und welches, bitte, gibt´ s für „Düne“?  Im Lexikon steht nix davon!

Ach, was ist damit schon sinnverwandt?
Was braucht es da ein andres Wort?
Es handelt sich doch nur um Sand,
um ganz viel Sand an einem Ort.

Du?

Hm?

Du, sag mal, es muss doch immer ein Wort geben, das ein anderes erklärt. Wie zum Beispiel das Wort „Beben“, was, wie man erfährt, auch „Erdbeben“ bedeuten kann.

Komisch…

Was?

Von „Seebeben“ haben sie nichts geschrieben.

Oh, mich
machst Du wirklich irre, Mann!
Meinst Du, beim Seebeben bleibt die Erde ruhig liegen!?

Na gut.
Dann müsste bei „Düne“ aber auch etwas stehen.
Das Synonym kann „Sanddüne“ sein.

Ach? Und dann
wär´ alles gut?

N… nein…
…„Wanderdüne“, würde  dann auch gehen.

Ah! Wut!
Los, schlag schnell nach! Was steht bei Mord oder Leiche?
Du kannst einem im Kopf die Gedanken verdrehen!

Wieso denn? Denk nach! Das ist bei beidem das Gleiche! Die Dünen sind halt immer aus Sand und was da bebt ist immer die Erde!

Und was für ein Wort ist mit „Mord“ sinnverwandt?
Du bist bald schuld, wenn ich wahnsinnig werde!

Warte. Ich hab´ s gleich, ich les´ es hieraus:
„Tötung, Vernichtung, Totschlag und Bluttat“

So nimm´ diesen Streich und such´ Dir was aus!
Ich glaube, dass diese Verrichtung mir gut tat.

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© Reimund Vers

Wahnsinnen

Übrigens, Ihrem Ansinnen, bin ich nach reiflicher Überlegung nachgekommen.

Wie bitte?

Ja, das tat ich. Keine Ursache. Nur keinen Dank!

Sie taten was?

Ich kam ihm nach.

Wem?

Ihrem Ansinnen. Ich instruierte bereits Fräulein Maus, Ihnen einen positiven Bescheid zu senden.

So, so. Wegen meines Ansinnens?

Genau. Warum fragen sie?

Nun, ich erinnere mich gar nicht daran.

Woran?

An das Ansinnen, dem Sie, wie Sie gerade berichteten, nachkamen.

Ach so, ja – ich erinnere mich. Aber es war doch Ihr Ansinnen, dem ich nachkam, nicht wahr?

Ich weiß nicht, aber ich glaube schon…

Na, sehen Sie.

Aha. So, so. Ich sann also an.

Mh?

Ich sann an…?

Wie bitte?

Nichts, ich überlege nur laut. Ich versuche mich zu erinnern.

Woran?

Was ich ansann. Oder sagt man dann „wessen“?

Ich verstehe nicht.

Ich muss doch etwas angesonnen haben, dessentwegen Sie meinem Ansinnen nachkamen.

Ja, das stimmt. Das wird wohl so sein.


Jetzt helfen Sie mir doch! Worum ging denn es in Ihrem Nachkommen?

Meinen Nachkommen?

Ja. Sie sagten doch gerade, Sie seien meinem Ansinnen nachgekommen. Worum handelte es sich denn dabei?

Wobei? Bei meinem Nachkommen oder Ihrem Ansinnen?

Das ist ja wohl jetzt völlig egal!

So? Wenn es Ihnen ganz egal ist, warum reagieren Sie dann so gereizt? Ich weiß wirklich nicht was in Ihnen vorgeht!

Sie haben völlig recht, verzeihen Sie. Ich bin wirklich unhöflich. Schließlich sind Sie dem ja nachgekommen, nicht war?

Richtig, richtig. Das tat ich wohl. Fräulein Maus wird Ihnen ja bald den positiven Bescheid überstellen.

Fein, fein, fein…

Wie meinen?

Nichts, nichts, ich sann nur nach.

Ach, immer noch wegen Ihres Ansinnens?

Ja doch! Bitte helfen Sie weiter! Was genau war es denn nun?

Das kann ich Ihnen wirklich nicht sagen.

Wie bitte? Warum das denn nicht?

Ich kann mich Ihres Ansinnens einfach nicht entsinnen.

Sehen Sie, Sie wissen es doch.


Was? Ich?  Niemals.

Ja, ja, Sie. Sie wissen es doch.

Was weiß ich doch? Was wollen Sie mir da anlasten?

Sie wissen sehr wohl, was in mir vorgeht.

Aber, das wüsste ich doch. Ich wüsste doch, wenn ich was wüsste!


Immerhin wissen sie genau so wenig wie ich, was mein Ansinnen war.

Ok. Das ist leider wahr.

Dann erklären Sie mir doch einfach Ihr Nachkommen.

Mein Nachkommen?

Ja, sicher! Dann werde ich mich bestimmt meines Ansinnens entsinnen.

Ach so.

Ja, so. Also?

Wie, also?

Verraten sie mir nun, worum es bei Ihrem Nachkommen geht?

Ich – glaube – nicht.

Wie, Sie glauben nicht? Sagen Sie, wollen Sie mich ärgern?

Ich – will – das – nicht.


Was ist denn dann jetzt los?

Gar nichts. Ich – kann – das – nicht.

Wie bitte? Warum denn nicht?

Ich – weiß – es – nicht.

Das weiß er nicht. Dies kann er nicht. Jenes will er nicht und manches glaubt er nicht! Sie machen mich bald rasend, Mann!

Ich kann mich eben auch nicht entsinnen. Weder an ihr ominöses Ansinnen, noch an Details meines angeblichen Nachkommens.

Das ist doch die Höhe!  S i e  hatten mir doch eingangs mitgeteilt, Sie seien meinem Ansinnen nachgekommen!?

Ja, sicher!

Wie, ja sicher? Gerade noch schilderten Sie ihre Unwissenheit und jetzt sind Sie sicher? Was, um Himmels Willen, ist mit Ihnen los?

Ich – weiß – es – nicht.

Na, prima! Ich fasse zusammen: Sie sind sich sicher, dass sie nichts wissen.

Nicht ganz…

Nicht ganz, was?

Ich weiß, dass Fräulein Maus Ihnen einen positiven Bescheid zusenden wird.

Woher?

Von hier.

Ich meine, woher wissen sie das?

Sie hat ihn mir doch vorgelegt.


Wen?

Na, den positiven Bescheid. Sie legte ihn mir ja schließlich zur Unterschrift vor.

Jetzt kommen wir der Sache näher! Und weiter?

Wie, weiter?

Was stand drin?

Ach so, das weiß ich doch eben nicht.

Geht das schon wieder los?

Nein, nichts geht schon wieder los. Ich hab es unterschrieben und basta.

Wie, und basta? Sie haben es nicht gelesen. Haben Sie es gelesen oder haben Sie es nicht gelesen?

Warum sollte ich das tun?

Na, hören Sie mal! Sie unterschreiben Sachen, die sie nicht gelesen haben? Das glaube ich ja wohl jetzt nicht! Ich denke, man sollte lesen, was man unterschreibt.

Nicht unbedingt. Sie ahnen nicht, wie viele Schreiben ich täglich zu unterzeichnen habe!

Vermutlich nicht. Und weil es so viele sind, die Sie täglich unterzeichnen müssen, lesen Sie sie erst gar nicht?

Ich habe Ihren Bescheid ungelesen unterschrieben, weil er positiv war.

Wie können Sie das wissen? Sie haben doch nicht darin gelesen!

Fräulein Maus legt es mir so vor. Getrennt voneinander. Vormittags die negativen und kurz vor Dienstschluss die positiven Bescheide.

Lesen also die negativen Bescheide und die positiven nicht?

So ist es.

Warum lesen Sie denn die negativen?

Na, da muss ich eben aufpassen. Das könnte schlecht für uns ausgehen.

Wirklich? Ist das so?

Na, klar. Deshalb sagt man ja „negativ“.

Und die positiven?

Machen Sie Scherze? Die gehen doch gut für uns aus. Deshalb  sagt…

…man ja „positiv“. Ich weiß!

Sehen Sie.

Aber, wenn eine Sache für Sie gut ausgeht, ist es dann nicht für den anderen eher schlecht?

Das ist ausgleichende Gerechtigkeit.

Gerechtigkeit! Wie können Sie mir dann so fröhlich mitteilen, dass Sie meinem Ansinnen positiv nachgekommen sind?

Das habe ich Ihnen doch gerade erklärt: weil ich es nachmittags unterzeichnet habe.

Da habe ich verstanden. Das – ist – eine – Katastrophe!

Für Sie vielleicht. Worum ging es denn bei Ihrem Ansinnen?

Das habe ich doch vergessen! Darum geht es die ganze Zeit! Und wissen Sie was? Jetzt will ich es auch nicht mehr wissen, Sie Halunke! Sie können mich mal kreuzweise! Guten Tag!

Was gibt es doch für unhöfliche Zeitgenossen. Fräulein Maus, bitte bringen Sie mir die Unterschriftenmappe.

© Reimund Vers

 

Monduntergang – 41 Grad tagsüber, nachts Abkühlung auf 31 Grad

Lauter Kinder! Lauter laute Kinder! Lauter laute Kinder sind heute im Geschreibad.

Es scheint, als ginge eine gesamte Kindheit baden.

Es scheint?

Mir scheint?

Scheint mir?

Es scheint mir!

Es scheint mir vor allem die Sonne auf mein Hirn, so dass ich den Faden verliere und gar nicht mehr weiß, wie der Satz angefangen… sollen werden hat (?).

Sonne…Geschrei…, …boah!

„Halt´ s Maul!“ brülle ich die Sonne an und: „Mach doch mal einer das Licht aus!“ während der Meister des Bades mich von der Wiese pflückt und zu meinem Auto bringt. Auf dem bleibe ich so lange mit heißem Hintern sitzen, bis die kreischenden Kinderräder der goldenen Abendsonne entgegeneiern. Geräuschlos versinkt sie, kleine orangefarbene Wolkenstreifen hinter sich her ziehend.

Ooohhh! Es zischt nur leise, als ich zurück ins Wasser gleite.

Mhmm! Die stille Oberfläche trägt mich sanft und kühl.

Aaahhhhh, wie gut! Stille, Kühle und Finsternis!

Und ich leuchte wie eine Tomate in einer ewig dauernden Dämmerung.

Wieder scheint mir etwas. Es scheint sonderbar, denn scheinbar scheint da was. Mir scheint jedenfalls, als scheine ich hier nicht alleine. Es scheint, als wolle die Dunkelheit einfach nicht so recht über mich hereinbrechen. Etwas scheint da doch noch!

Doch was?

Auf dem Rücken dahin treibend, sehe ich hinter den Baumwipfeln den Mond.

Vollmond.

Spitzbübisch grinst er über die Tannen. Zwinkert mir zu, als wolle er sagen: „Na, Kollege?“

Ich zwinkere auch und grinse zurück, muss lachen und verschlucke jede Menge Schwimmbadwasser. Ich gluckse und pruste, lache und huste. Ich rudere heftig mit Armen und Beinen, gehe immer wieder unter, tauche auf, schnappe nach Luft und lache weiter.

Glucks! Prust! Lach! Hust!

Und der Mond kann sich jetzt auch kaum noch halten. Er bläst die Backen auf, bis fast zum Platzen. Dann wackelt er hin und her und hoch und runter. Hin und Her und Hoch und runter, wackelt der und läuft leicht rot an dabei.

Rot, wie vermutlich nun meine Augen, denke ich benommen, die leicht brennend und verschwommen zu ihm hinaufschauen.

Und: —ich höre ihn ja gar nicht. Aber das dauert wohl. Schall braucht ja viel länger als das Licht, beruhige ich mich und lausche auf die Ankunft seines Lachens.

Es ist – komischer Weise – leise. Kein lautes, lärmendes, krachendes Lachen. Ist ein weises, leises Kichern. Ein lang anhaltendes leiseres heiseres Kichern, das zuweilen etwas unterdrückt klingt und das zu Rasseln beginnt, als ob es gleich in einen Hustenanfall enden möchte und dann doch wieder in ein spitzes Kichern mündet, wie nur Kolosse kichern können.

Wir kichern in die Stille herein. Der Mond und ich. Die ganze Nacht hindurch, bis zu unser beider Untergang.

© Reimund Vers

Wanderers Ode an den guten Ausgang (das A und O)

Oh, ich geh‘ ein Stück zu Fuß,

da ich ein bisschen grübeln muss.

Oh, ich geh‘ so vor mich hin

da seh‘  ich  gar nicht, wo ich bin.

Oh, der Lärm, den ich noch grad´ vernommen,

annulliert sich rasch, ist schon verschwommen.

So, wie man einschläft und die Stimmen

aus dem Fernseher verschwimmen.

 

Oh, sonst kreisen die Gedanken nur

Da wandern sie. Erholung pur!

 

Oh“, denk´ ich, und gehe weiter.

Auf jeden Schritt folgt gleich ein zweiter.“

Oh, die Gedanken sind zwar schneller,

aber sie werden schon bald heller.

Oh, Schritt für Schritt stellt sich das Sinnen,

auf den gleichen Rhythmus ein.

Oh, ich spüre weder Zeit verrinnen,

als störte es mich, allein zu sein.

 

Oh´ sonst kreisen die Gedanken nur

Da wandern sie. Erholung pur!

 

Oh, ganz egal wohin ich gehe,

allda ich vor die Füße sehe,

seh´ ich nur  Straße und die Linie.

Die Linie? Was für eine Linie?

Oh, jetzt wird mir langsam sonnenklar,

was da der Lärm vorhin wohl war.

Oh, schau nach hinten und erschrecke,

da qualmt und brennt es auf der Strecke.

 

Oh, da sind Lichter, blinkend blau!

Ach, stinkend bildet sich ein Stau!

Oh, nur wenig macht mich das betroffen,

also bin ich doch noch zu besoffen.

Oh, schau´ da vorn! Mach Dir´ n Bild!“

Da! Dort steht ein Ortsausgangsschild!“

Oh, ohne Panik, ruhig und gemach,

da geh´ ich den Gedanken nach.

 

Oh, ich geh‘ ein Stück zu Fuß,

da ich ein bisschen grübeln muss.

Oh, ich geh‘ so vor mich hin

da seh‘  ich  gar nicht, wo ich bin.

Oh, sonst kreisen die Gedanken nur –

da wandern sie. Erholung pur!

© Reimund Vers

BtmG-Verstoß

Was treibst Du da im Internet?

Was treibst Du dort?

Du treibst; treibst ab.

 

Wie oft hast Du schon versucht, Dich so abzulenken?

Zum Beispiel auch mit Deinen endlosen Diskussionen über Gott und die Welt?

 

Ja, ja, klar! Du hast andere Junkies getroffen, die genau das brauchten und suchten. Ihr habt so manche Nacht durch gequatscht und ward besoffener noch von Eurem Gerede als vom vielen Wein.

 

Einhundert dreiunddreißig Kanäle, allesamt so dünn, dass es reicht, nach fünf Minuten zappen wieder bei eins zu sein. Und das geht Stunden. Das gibt dem Chaos in Deinem Kopf nur noch zusätzliche Bilder. Und das Ganze hypnotisiert Dich. Wenn Du Dich so sehen könntest, Alter!  Du hieltest Dich selbst für einen Zombie, der dem C-Movie vom einhundertdreiunddreißigsten Kanal entsprungen ist.

 

Über 12 Stunden am Tag arbeiten? Du tätest das doch wohl auch völlig ohne Gage. Dir bräuchte man doch nur das Gefühl geben, Du seist unersetzlich. Geschieht das nicht, findest Du, dass sie Dich zu schlecht bezahlen für all´ die Plackerei.

 

Doch egal. Du betäubst Dich ungemein. Zwei Magazine in der Woche, Fernsehen, Radio, Wirtschaftspornos, Info-Mails und Sachbücher. Das alles läuft bei Dir unter „lebenslanges Lernen“, nicht wahr? Noch eine Weiterbildung gefällig? Noch ein Seminar? Eine Initiative vielleicht? Oder wie wäre es mit dem Vorsitz in einem Charity-Club?

 

Das alles adelt Dich nicht, mein Lieber, es betäubt Dich! Du bist ein Junkie. Wenn nicht die Drogen gegen das Gesetz verstießen, sondern die Intensität der Betäubung, Du hättest schon 20 Jahre abzusitzen. Anders herum wäre Dosis Sedativa, die Du benötigst, um Dich damit der Art zu betäuben, garantiert tödlich.

 

Wach auf, Junkie!