Neulich bei BECKMANN

BECKMANN: …dann sind Sie von Beruf also Astronom. Das ist interessant. Das ist spannend. Das ist ja kein Allerweltsberuf. Oder ich formuliere es einmal so: Nicht sehr viele – vermutlich nicht sehr viele – üben diesen Beruf aus. Die Zuschauer werden sich fragen, womit Sie sich den lieben langen Tag beschäftigen.

GAST: Nun, ich…

BECKMANN: Was macht ein Astronom? Was treibt er? Was treibt ihn an? Was muss er in seinem Job aushalten? Wie fühlt sich das an? Was ist das überhaupt für ein Job? Ist es nur ein Job? Ein Job wie jeder andere?

GAST: Nun, ich beschäftige mich…

BECKMANN: Ja, genau. Diese Frage stellt sich. Sie drängt sich geradezu auf und stand vermutlich bereits unausgesprochen in diesem Raum. Was genau also beschäftigt einen Astronom?

GAST: Also. Ich beschäftige mich zum Beispiel mit der Entfernung der Sterne…

BECKMANN: Die Entfernung der Sterne. Ist das wahr? Lassen Sie uns dem ein wenig auf den Grund gehen. Astronomie. Was wissen wir darüber? Was fällt einem als normal gebildeter Bürger dazu ein?  Das kennen die meisten noch aus der Schule: Astro kommt aus dem Griechischen und bedeutet Stern. Nomen est Omen, sagen die Lateiner. Ha, ha. Müssten da nicht erst einmal alle Sterne einen Namen bekommen?

GAST: Ja, wissen Sie, die Astro…

BECKMANN: Wissen Sie, ich habe da so eine Vorstellung vom Beruf des Astronomen vor Augen. Eine bildhafte Vorstellung, in der ein Astronom durch sein Teleskop schaut, dabei neue Sterne entdeckt und ihnen Namen gibt. Ein Klischee vielleicht? Sehe ich das richtig? Sollte ich – sollten wir alle vielleicht – unser Bild, das wir vermutlich alle noch haben, sollten wir unsere Vorstellung vom Beruf des Astronomen erneuern?

GAST: Ja, sehen Sie, die Astronomie ist ja schon längst nicht mehr nur eine beobachtende Wissenschaft. Der Entfernung der Sterne kommt eine große Bedeutung zu, wenn man bedenkt, das unsere Aufgabe…

BECKMANN: Das ist stark. Davon hatte ich nicht die geringste Vorstellung. Astronomie. Die Entfernung der Sterne. Da sprechen wir von großen Dimensionen. Das klingt nach einer Mammutaufgabe. Wir sollten versuchen, unseren Zuschauern eine intensivere Vorstellung davon zu geben. Sagen Sie… oder ich formuliere es erst einmal anders: Können Sie uns sagen, wie viele Sterne es gibt?

GAST: Unvorstellbar viele. Wir haben es noch nie ge…

BECKMANN: Unvorstellbar viele. Das muss man sich erst einmal vorstellen. Eine unvorstellbare Aufgabe. Eine Aufgabe mit astronomischen Ausmaßen. Also. Lassen Sie uns versuchen, es ein wenig einzugrenzen. Das bringt mich zu der Frage nach Ihrem Team. Was sind das für Leute? Und was in diesem Zusammenhang noch wichtiger erscheint: Wie viele Menschen, Frauen und Männer, sind in Ihrem Team? Wieviel Unterstützung haben Sie? Wer steht Ihnen bei? Wie läuft das bei Ihnen? Wer hilft Ihnen?

GAST: Natürlich schaffe ich das nicht alleine. Mich unterstützen zwei Doktoranden, zwei wissenschaftliche Assistenten und einige Studenten, also etwa zehn Personen, die…

BECKMANN: Moment bitte, ich muss das für die Zuschauer gerade einmal zusammenfassen. Das ist interessant. Das muss man sich erst einmal vorstellen! Soweit dies überhaupt möglich ist. Wir wollen es einmal versuchen: Eine unvorstellbare Aufgabe, eine unvorstellbare Anzahl von Sternen und eine doch sehr übersichtliche Anzahl von Mitarbeitern. Zehn Menschen, Männer und Frauen, und Sie. Elf Personen, Sie mitgerechnet, beschäftigen sich also mit der Entfernung der Sterne. Wie kann das funktionieren? Wie geht das? Was tut man dazu? Wie fühlt sich das an? Was macht es mit einem? Kurz gefragt: Wie entfernt man die denn?

GAST: …?

 

© Reimund Vers