Mehr als tausend Worte

Ein Bild sagt mehr als tausend Worte,
mehr als tausend Worte sagt ein Bild.
Tausend Bilder siehst Du, mal tausend Orte,
Millionen Worte also, wenn man so will.

Ein Dichter,
wer in diesen Massen die schönen Worte sehen kann.
Ein Poet,
wer es versteht, sie in das echte Licht zu passen.
Ein Lyriker,
weiß sie in Sätze zu verfassen und passt den rechten Rhythmus an.
(…indem er Sätze so lang windet, bis sich das beste Versmaß findet.)

Ein Künstler,
wer die Dreiheit eint und sich nicht schert,
wer wann was meint
in dieser Welt
und wer sich an die Arbeit macht,
wer mühsam schreibt bis in die Nacht,
bis ihm sein eignes Werk gefällt.
Egal, ob es sich reimt.

Und so werden sie, die Bilder,
vielleicht zu Poesie.
Die Bilder werden Worte.
Die Wort werden Verse
Die Verse machen Bilder
in Deiner Phantasie.

Und das, Herr Richter, ist er
das ist der große, bloße Unterschied
vom Dichter und vom Verseschmied

© Reimund Vers

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Verzweiflung über Lottogewinn – Armer Dichter will das Geld nicht

Ein armer Dichter aus dem südlichen Westen,
unter Dichtern gehört er zu den üblichen Besten,
gewann am Mittwoch eine Million im Lotto.
Sodann überkam ihn große Not.

Er glaubte fest: Die Armut macht mich kreativ.
Mit soviel Geld geht das wohl schief.
Das ist des Dichters Seele Tod!

Gleich wie ein Tier, so kroch sie ihm
den Rücken hoch, saß bald in seinem Nacken.
Die schiere Angst vor Schreibpapier, sie schien ihn schon zu packen.

Ein,  zwei –  nein besser drei Tafeln Schokolade,  werden sie nicht ganz verhindern,
nicht aufhalten die Schreibblockade, vielleicht ganz leicht vermindern.

Es reicht für die Hände
für einen Hilfeschrei, gekritzelt oder schnell getippt….
Doch an wen?  Und wie und wohin hin jetzt damit,
und wer liest am Ende die getipselte Kritzelei?

Vielleicht als virtuelle Flaschenpost
im Datenstrom gesendet,
liest aus des Facebooks Massenhost,
jemand, der das verwendet,
dass unser Dichter Hilfe sucht,
bevor er denn verendet.

So sitzt er da und hofft und hofft, dass sich nun jemand fände,
der sich des Dichters Geld erbarmt und es für ihn veschwände.

Was tätet Ihr? Wie gäbt ihr aus,
die eine Million Scheine?
Malt hier mal das in allen Farben aus,
ihr wisst schon , wie ich’s meine!
 

© Reimund Vers

Wie ich an´ s Dichten kam

Eigentlich, ähm,
wollte ich, ähm, nicht dichten.

Wollte eigentlich
in Ruhe denken.
Einen reinen Gedanken,
aufschreiben und verschenken.
Toll! Da war nix rein.

Kopf war voll Schranken.
Da lies ich´ s sein.

Eines Tages wollte ein Gedanke heraus.

Sicher war mir dieser neu.
Es war so sicher wie ein Amen.

Er sprach zu mir: „Nun hör mal her, Klaus…“
(So neu war der! Kannte nicht mal meinen Namen!)

Ich sagte, „Schwamm drüber, ich heiß Hans. Ich will Dich verstärken. Komm´ raus!“

„Kann nicht rüber!“, rief er
„Du hast da eine Schranke! Und Deinen Namen, Klaus,
den kann sich eh´ kein Schwanz merken!“

So beschränkt  war ich zu der Zeit.
Ungesund! Und, obwohl gekränkt,
machte ich mich an die Arbeit.

Schranken abbauen ist wie Wände einreißen:
Man geht noch mal Scheißen und spuckt in die Hände,
und macht kaputt, was einen kaputt macht.

Aber der Schutt, hab ich mir gedacht,
der muss irgendwo hin. Normal in einen Container gebracht,
was wird dann mit Gedankenschutt gemacht?

„Formal,“ sagte mir mein Trainer, „schreibt man das irgendwo hin.“
Das macht irgendwie Sinn.

So kam es dann, dass dieser Mist endlich aufgeschrieben ist.
Du liest es, Mann, und find´ st es fad.
Mich macht es frei,
und Du bist grad
ganz einerlei!

So befreit von meinen Schranken kann ich denken, was ich mag.
Und so gescheit sind die Gedanken von Stund´ an nun an jedem Tag.

Was Du hier liest ist
Mist.
Insofern
ist für mich meine klägliche Dichtung,
das, was für Dich Deine tägliche Verrichtung.

© Reimund Vers

Heute: Geknicktes mit Beilagensalat

(Innere Dialog 12.698)

Da!

Schnell!

Ein Gericht!

Es will das Licht der Welt erblicken.

 

Doch da kein Papier

noch welches hier

und kein Stift weit

und breit!

 

Ohje! Das Gericht kannste knicken!

 

Was hast Du schon alles gekocht?

Was ist Dir davon noch geblieben?

Was hätte es Dir denn gebracht,

hättest Du es dann doch aufgeschrieben?

 

Und Du hast gedacht, Du tät´ st richtig ticken?

Und hier mein Verdacht: Das Gericht kannste knicken!

© Reimund Vers

Innerer Dialog 5.673

Immer, wenn ich meine, dass ich gerade ganz toll reime,

kommt irgend so ein Vers daher,…
Da! Da! Der! Ja, so wie der!
…der nicht mehr in den Rhythmus passt
und der, (obwohl der Gag jetzt echt so gut wär‘)
mir allen Spaß verdirbt und mehr… Weißt Du, wie ich meine?

Wer‘ s liest, kann sich kein‘ Reim drauf machen
Und fragt sich stumm und fragt sich still,
„Was der wohl will? Bin ich jetzt dumm?“
(Was soll er and‘ res machen?)
Fragt „Will er etwas sagen? Sag, will er uns was fragen?
Oder will er sich beklagen? Oder will er sich nur schlagen?“

Sich schlagen? Ne, ne, das
sagt man doch nur so, oder nich?
„Reim Dich oder ich schlag Dich!“
Du kennst doch das. Es ist nur Spaß, he, he…

Ich? Ich schlag mich ja bloß mit den Versen herum,
und, ey:
„Dichte nicht, wenns Du‘ s nicht woaßt warum!“,
hört man die alten Dichter mahnen.
Ach, denk ich, warum soll es mich
vorm Henker ohne Richter warnen?

Also. Wohl an!
Frisch gewagt, ist halb gewonnen!
Dann leg‘ mal los! Ich zeig‘ mich dafür auch erkenntlich.

Und? was ist los?

Was, ich? Ach, so!
Oh, Mann! Des Dichters Frische ist zerronnen!

Was?

Tja. So sinnentleert will er nicht schreiben, greint er.
Er will auch nicht hier sitzen bleiben, weint er,
und sich den Blödsinn weiter anhör‘ n.

Ja, das ist auch verständlich.
Doch war es nicht schon gut begonnen?
War nicht schon Schönes mit dabei?
Wird‘ s uns nicht sinnlich weiter heiter antörn’n?

Nein.
Nein, nein, nein und nochmals nein!
Das Pferd war totgeritten.
Warum den Reiter weiter loben?
Es stand schon weiter oben:
der Rhythmus war vernichtet
Der Dichter hat sich nicht verritten, nein!
Er hat sich schlicht verdichtet.

© Reimund Vers