So oft hast Du mich Herz gebrochen

Es klingelt und es schreckt mich sehr.
Ich springe auf und fliege.
Mein Herz, das fliegt mir hinterher,
die lange steile Stiege.

Um Dich ja nicht zu verpassen,
eilen wir die Stufen runter,
mein Herz und ich, und rufen munter:

„Wir werden Dich nicht warten lassen!
Sind sogleich da und öffnen Dir!“

Da steht ein Bote vor der Tür,
der so gar nichts von Dir hatte
und noch nicht mal von Dir wusste.

Mein Herz fällt vor mir auf die Matte
und schreit mich an, wie es mich hasste,
dass ich´s doch schließlich wissen musste,
dass ich Dich lange schon verpasste,
dass dies schon lange sei so wahr,
dass dies so lang schon Wahrheit war:

So oft sag ich, dass was nicht stimmt!
So oft hab ich es Dir erklärt!
So oft hab ich darauf gewettet:
Du setzt bestimmt auf´s falsche Pferd!
So oft hab ich es schon gerochen!
So oft hab ich mich nicht geirrt!
So oft hast Du mich schon versprochen
So oft warst Du total verwirrt!
So oft hast Du mich Herz gebrochen!

Es schreit mein Herz, die Seele weint,
nie wieder sind wir zwei vereint.
Viel lieber bleiben wir entzweit,
weil sonst mein Herz
mir nicht verzeiht.

© Reimund Vers

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Abschied

Und jetzt verbrenne ich die Fotos,
verbrenne Deinen guten Schal,
Deine längst vergess´nen Socken,
das Bild von Deinem Muttermal,

Ich reisse es von dem Gemäuer,
suche nach verlorenen Haar´n
alles wird ganz klein gerissen
nach und nach ins Feuer dann

…und ich will nichts davon vermissen

Denn ich möcht all das nicht mehr schauen
und ich möcht all das nicht mehr sehen
Denn ich möcht all das nicht mehr spür’n
und möchte all dem nicht mehr trauen

Denn ich möcht nichts, was mich erinnert,
und möchte nicht mehr danach gehen,
ich möcht mich nicht mehr verführ’n

Denn ich möcht Dich nicht darin sehen,
nicht in echt und nicht im Traum,

denn es wird alles nur verschlimmern.

…und jetzt verbrenn ich mir die Zunge
auch die Lippen und den Mund
und ich rauch ab jetzt auf Lunge
und kaue mir die Finger wund.

…und jetzt wasch ich mir jede Stelle
wo ich noch Deine Lippen spür´,
wo Dein Mund mich je berührt hat,
wo Dein Duft mich heute noch verführt.

Denn ich möcht all das nicht mehr schmecken,
und möchte all das nicht riechen,
ich möchte all das nicht spür’n
möcht mich viel lieber verkriechen

Denn ich möcht nichts, was mich erinnert,
und ich möcht mich nicht erinnern,
und ich möcht mich nicht verführ’n,

Denn ich möcht Dich nicht darin sehen,
nicht in echt und nicht im Traum,

denn es wird alles nur verschlimmern.

…und jetzt lösch´ ich Deine Nummern
Deine Anschrift lösch´ ich auch
die Emails voll mit Deinem Kummer
Bilder, Filmchen lösch´ich auch

…und jetzt lösch` ich Deine ganze Post
Deine Grüsse und Nachtgeschichten
Deine Selfie-Küsse und Nachrichten

…und ich will nichts davon vermissen

Denn, ich möcht all das nicht mehr lesen
ich möcht all das nicht wissen
ich möcht all das nicht spür’n
ich möchte all das nicht müssen

Denn ich möcht nichts, was mich erinnert,
und ich möcht mich nicht erinnern,
und ich möcht mich nicht verführ’n,

Denn ich möcht Dich nicht darin sehen,
nicht in echt und nicht im Traum,

denn es wird alles nur verschlimmern.

© Reimund Vers

Vergessen

Und jetzt warte ich wie blöd.
Und jetzt hoffe ich wie blöd,
dass der Rest in meinem Kopf,
dass der Schmerz in meinem Herz,
dass das Gefühl in meinem Bauch,

vergeht.

Bitte frag‘ Dich nicht, was uns bleibt
Bitte frag‘ mich nicht, was uns bleibt

In meinem Kopf da bleibt, was nicht verblassen wird.
In meinem Herz da bleibt, was immer weh tun wird.
Und in meinem Bauch, da auch

Bitte frag‘ Dich nicht, was uns bleibt
Bitte frag‘ mich nicht, was uns bleibt

In Deinem Kopf da bleibt, was nicht verblassen wird.
In Deinem Herz da bleibt, was immer weh tun wird.
Und in Deinem Bauch, da auch

In meinem Kopf da bleibt, was schön und wichtig ist
In meinem Herz da bleibt, was Bedeutung hat und Liebe
Ganz ohne Notizen, Speicher und Archive

Doch der vergessene Rest ist ein kleiner Vorschuss nur
auf das totale Vergessen, das mich bald erwartet

Ich werde alles das vergessen:
Alles, was blieb,
alles, was schön und wichtig war,
alles, was Bedeutung hatte
alles über mich selbst

Das ist auch gut so.
Das ist auch gut so.
Das ist auch gut so.

Wie sagt man? Das letzte Hemd hat keine Taschen.
Die letzen Gedanken vielleicht auch nicht
Wenn ich alles vergesse,
wirklich alles vergesse,

ist es am Ende vielleicht
viel leichter
zu gehen.

Am Ende bleibt
Am Ende bleibt
Am Ende bleibt
nichts.

© Reimund Vers